Home Ortsverein 25 Jahre SPD Ortsverein Brüssel

postheadericon 25 Jahre SPD-Ortsverein Brüssel

25 Jahre SPD-Ortsverein Brüssel

„Kommt nicht in Frage!“ sagte Wehner vergeblich

Von Jan Kurlemann

 

Im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 war den Mitgliedern der Brüsseler SPD durchaus Nervosität anzumerken, und deshalb tat ihnen allen der Blick zurück in die bewegte Geschichte des Ortsvereins gut: Goldene Zeiten! „Wir hatten damals keine Vorstandssitzungen, waren uns immer einig und machten alles telefonisch miteinander aus“, kann man in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen über die Geburtsstunden nachlesen.

Und weil die politische Gegenwart eben voller Unsicherheiten und innerparteilichen Kontroversen steckt, dachte Hannelore Kraft, die Vorsitzende der SPD in Nordrhein-Westfalen, schon über die Bundestagswahl hinaus: Sie möchte 2010 Ministerpräsidentin ihres Landes werden und dann das von der SPD Brüssel organisierte politische Kabarett besuchen.

Doch noch vor der „Richtungswahl“, wie sie sie selbst charakterisiert, trat sie auf der Jubiläumsfeier in Brüssel als Ehrengast auf, um im „Centre Crousse“ am Rande des Woluwe-Tals mit den Genossinnen und Genossen und ihren Familien zu feiern und die Jubilare zu ehren. Über hundert Gäste hatten sich im Zentrum und seinem offenen Park eingefunden, Kinder spielten im Gras, Hunde liefen fröhlich herum, und auf dem Grill brutzelten Fleischspieße.

Mehrheit gegen Markt- und Privatisierungsideologie

Die Endphase des Bundestagswahlkampfes konnte nicht vor der Tür bleiben: Hannelore Kraft nahm kein Blatt vor den Mund: „Die reine Marktwirtschaft und die Ideologie des ‚Privat vor Staat’ haben in Deutschland keine Mehrheit“, betonte sie. Wählerinnen und Wähler stünden am 27. September vor einer „wichtigen Richtungsentscheidung“. Auch die Stimmen der Deutschen, die im europäischen und internationalen Umfeld wohnen, würden am Wahlabend mitgezählt. Andere Parteien täten im Wahlkampf so, als wären sie die „besseren Sozialdemokraten“. „Sie spielen auf unserem Feld“, warf die Landespolitikerin ihnen vor. Welche schlimmen Folgen eine christdemokratisch-liberale Regierung produziert, könne man in Nordrhein-Westfalen sehen, zum Beispiel in der Bildungs- und Sozialpolitik. Ziel der SPD sei eine „Gesellschaft des Wir“.

 Auf dem Wege zur SPD International

Die Mülheimer Landtagsabgeordnete (auf dem Foto in der Mitte, rechts vorn OV-Vorsitzender Wobbe) ist „gelernte Europäerin“ - zuerst Projektleiterin in einem Innovations-Netzwerk, später Europaministerin und Wissenschaftsministerin ihres Landes. Sie hat die Entwicklung ihrer Partei in Brüssel verfolgt: wie alles damit begann, dass ein kleiner Freundeskreis von „Berufseuropäern“ in den sechziger Jahren sein Ziel, eine „SPD International“ zu schaffen, unablässig verfolgte und einen Ortsverein bilden konnte – oft gegen den Widerstand vieler in der Partei. Schön findet sie, dass die Mitglieder sich in Belgien einbringen und sogar bei der Kommunalwahl Kandidatinnen und Kandidaten stellen. Und noch schöner, dass es eine aktive Juso-Gruppe mit eigenem Veranstaltungsprogramm gibt.

Das Engagement und die politische Arbeit der Brüsseler SPD lobte Hannelore Kraft. Zugleich forderte sie die „Brüsseler“ auf, die schon manch wichtiges Thema wie die Problematik der Demographie in der Partei durch Anträge befördert hätten, ihre Kenntnisse noch stärker in NRW und Deutschland einzubringen. Ihr „leichter Außenblick“ sei eine Hilfe für ihre Partei, die „keine leichten Zeiten“ durchlebe.

Auftritt der Europa-Pioniere

Dieter Rogalla, früherer „Brüsseler“ und ehemaliger Europaabgeordneter von 1981 bis 1994, war nach seiner 28. Europäischen Radtour im roten Trikot nach Brüssel gespurtet, um mit seinen Freunden zu feiern. Wie Wolfgang Pini und Eberhard Rhein, Gründungsmitglieder des SPD-Freundeskreises in den sechziger Jahren, erzählte er Anekdoten aus der Pionier-Vergangenheit. (Laut Pini äußerte sich Herbert Wehner zum gewünschten Brüsseler Ortsverein apodiktisch: „Kommt nicht in Frage!“)

Politische Gegner aßen Geburtstagskuchen

Nicht nur Vertreter der SPD-Ortsvereine Aachen und Luxemburg, des Pariser Freundeskreises und sozialdemokratischer und sozialistischer Parteien aus Österreich und anderen Ländern Europas, die in Brüssel leben, gaben den deutschen Sozialdemokraten die Ehre, auch Vertreter der örtlichen Organisationen von CDU und FDP feierten den Geburtstag mit, wünschten viel Glück und schwächten ihre Konkurrenten von der SPD durch Vertilgung des gegnerischen Geburtstagskuchens. Dem Ortsvereinsvorsitzenden Werner Wobbe schien das nichts auszumachen.

Mit einer Festschrift zum 25. Bestehen verließen die Gäste das Fest. Diese Broschüre, die auch die vollständige Festschrift für die ersten fünfzehn Jahre enthält, wird unter www.spd-bruessel.de zugänglich sein.

 

Fotos: Frank Siebern-Thomas

Erstellt oder aktualisiert am 17. September 2009.